Medikamente und Sucht

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Hypnotika, Sedativa und Tranquillantien

Die Grenzen zwischen angstlösenden Mitteln (Tranquillantien), Beruhigungsmitteln (Sedativa) und Schlafmitteln (Hypnotika) sind fließend und zum Teil willkürlich. Letztlich ist es wie beim Alkohol eine Frage der Dosis – ein wenig davon macht gelöster, mehr davon macht ruhiger, sehr viel ist schlaffördernd. Pflanzliche Präparate können – ebenso wie die synthetischen Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepine und Z-Drugs – die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen erschweren und/oder hinauszögern. Sie sollten deshalb immer nur kurzfristig in Krisensituationen eingesetzt werden, bis andere Strategien greifen.

Barbiturate, die Vorgänger der Benzodiazepine, sollten wegen der erheblich schlechteren Verträglichkeit heute nicht mehr als Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt werden.

Rund 30 Millionen Packungen Schlaf- und Beruhigungsmittel werden jährlich in Deutschland verkauft. Dabei handelt es sich vor allem um Benzodiazepine und benzodiazepinähnliche Wirkstoffe sowie zu 40 % um pflanzliche Extrakte aus Baldrian, Hopfen oder Passionsblumen. Die Verordnungen von Benzodiazepinen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen sind in den letzten Jahren deutlich rückläufig, die der benzodiazepinähnlichen Wirkstoffe Zolpidem und Zopiclon (Z-Drugs) sind gestiegen. Da diese Mittel immer häufiger auch für gesetzlich Versicherte nur auf Privatrezept verschrieben werden, sind die Verkaufszahlen für beide Präparate-Gruppen allerdings kaum gefallen.

Schlafstörungen und Unruhe können viele Ursachen haben. Schlaf- und Beruhigungsmittel wirken jedoch – wie beispielweise Schmerzmittel auch – lediglich gegen die Symptome, nicht gegen die Ursachen der Beschwerden. Deshalb muss ihr Einsatz sorgfältig erwogen werden. Er ist nur dann sinnvoll, wenn eine Diagnostik und Behandlung für das zugrunde liegende Problem erfolgt. Dies gilt ebenfalls für pflanzliche Präparate: Auch bei diesen besteht die Gefahr, die Grunderkrankung zu verschleiern und den Beginn einer wirksamen Behandlung für die Grunderkrankung hinauszuzögern.

Die meisten Schlaf- und Beruhigungsmittel beeinträchtigen die Tiefschlaf- und Traumphasen, so dass der Schlaf unter diesen Präparaten zwar ungestört und länger andauernd, aber weniger erholsam ist. Durch die Gewöhnung an die Substanzen verlieren sie in der Regel rasch ihre Wirkung. Lediglich die Absetz- und/ oder Entzugssymptome führen dazu, dass sie weiter genommen werden.

Im Hinblick auf Abhängigkeitsrisiken sind vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Benzodiazepin- Familie von Bedeutung. Die benzodiazepinähnlichen Wirkstoffe Zolpidem und Zopiclon, die zunehmend ersatzweise verschrieben werden, besitzen ein geringeres Abhängigkeitspotenzial, da die durchschnittliche Tablettenstärke niedriger ist als bei den Benzodiazepinen. Bei längerer Anwendung führen sie dennoch zu einer Abhängigkeit.

Seiteninfo

Text: Dr. med. Rüdiger Holzbach, Karen Hartig

Literaturempfehlung

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.) (2013): Immer mit der Ruhe …: Nutzen und Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Überarbeitete und neugestaltete Auflage. Hamm.

Faltblatt Benzodiazepine

DHS Faltblattserie Die Sucht und ihre Stoffe, Nr.1: Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel)

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