Medikamente und Sucht

Sporttreibende

Insbesondere beim Sport lässt sich Leistung messen. Das macht diesen Bereich – egal, ob es sich um Leistungs- oder Freizeitsport handelt – anfällig fürs Doping. Beim Doping im Sport zeigt sich, dass Medikamentenmissbrauch nicht nur ein typisch weibliches Problem ist: Zu den Konsumenten von Dopingmitteln zählen hauptsächlich Männer, für die oft der Aufbau von Muskelmasse im Vordergrund steht. Im Breitensport sind insbesondere junge Bodybuilder gefährdet.

Ziele: Leistungssteigerung und Muskelaufbau

Am besten untersucht sind die Besucher von deutschen Fitnessstudios: Etwa 10 bis 20 Prozent der Mitglieder haben nach vorliegenden Studien bereits einmal Doping-Substanzen eingenommen. Dabei handelt es sich vor allem um anabole Steroide – synthetische Testosteron-Derivate, die eine rasche Regeneration und einen schnellen Muskelaufbau ermöglichen. Doch das Spektrum der Nebenwirkungen reicht von Akne über Bluthochdruck bis hin zu Leberkrebs, Wesensveränderungen und Depressionen. Es mehren sich die Hinweise, dass eine dauerhafte Anwendung bei einem Teil der Anwender zu einer Abhängigkeit führt.

Weitere beliebte Substanzen sind Clenbuterol und andere Asthma-Mittel (Beta-2-Agonisten), Hormone, Wirkstoffe mit antiöstrogener Wirkung, Betablocker, Stimulanzien, Narkotika und Diuretika. Diuretika dienen zum schnellen Abnehmen, um die Muskeln stärker hervortreten zu lassen, oder für Sportarten, in denen ein niedriges Gewicht von Vorteil ist. Eine weitere Funktion: Sie können einen Missbrauch maskieren, indem sie die Dopingmittel ausschwemmen. Es ist davon auszugehen, dass häufig mehrere Mittel gleichzeitig genommen werden, so dass die Gefahr von Wechselwirkungen steigt. Wenn es sich um Präparate handelt, die injiziert werden, kommt die Gefahr einer Entzündung oder Blutvergiftung hinzu.

Beschaffungswege

Viele Hobby-Doper beziehen ihre Dopingmittel über einen Arzt. Doping ist jedoch nicht mit dem ärztlichen Berufsethos vereinbar und laut Arzneimittelgesetz strafbar. Ärzte sowie andere Therapeuten und Berater sollten die Patienten unmissverständlich vor den Risiken warnen und darauf hinweisen, dass Doping verboten ist. Allerdings stehen den Nutzern auch andere Wege offen: Über einschlägige Fitnessstudios oder den Internet-Versandhandel kommen sie recht leicht an Dopingmittel heran. Die Mittel aus diesen illegalen Quellen sind nicht selten gefälscht, die Dosierungen zu hoch oder zu niedrig, die Präparate mit anderen gefährlichen Inhaltsstoffen versehen.

Seiteninfo

Text: Anke Nolte

Literaturempfehlung

Aho-Ritter, Annukka: Hobby-Doping: Die Anonymen Anaboliker. DocCheck, 2. März 2015
Online Verfügbar

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.) (2013): Medikamentenabhängigkeit. Hamm: 2013. (Suchtmedizinische Reihe; 5)

Nieß, Andreas et al. (2014): Doping und Medikamentenmissbrauch im Breiten- und Freizeitsport. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 65 (2), 29-33.
DOI 10.5960/dzsm.2013.091

Vogt, Irmgard (2007): Männer und Medikamente: Zum Beispiel Dopingmittel. In: Suchttherapie, 8 (3), 103-107. DOI 10.1055/s-2007-985363